Schließung des Notarztstützpunktes Groß-Enzersdorf kann die medizinische Notfallversorgung gefährden!

Bgm. Dr. Clemens Nagel und Bgm. Monika Obereigner-Sivec

Bgm. Dr. Clemens Nagel und Bgmin Bgm. Monika Obereigner-Sivec ©A.Altmann

Groß-Enzersdorf / Leopoldsdorf im Marchfeld – 25. August 2025

Gemeinden im Marchfeld schlagen Alarm:

Schließung des Notarztstützpunktes Groß-Enzersdorf kann die medizinische Notfallversorgung gefährden!

Bgm. Dr. Clemens Nagel und Bgmin. Monika Obereigner-SivecMit 2027 soll der Notarztstützpunkt in Groß-Enzersdorf geschlossen werden. Das gab die NÖ Gesundheitslandesrätin im Rahmen der Vorstellung des „Gesundheitsplans 2040+“ als überparteiliche Einigung im Land bekannt. Die Entscheidung scheint fixiert – betroffen sind damit auch zehntausende Menschen im Marchfeld. 

Die geplante Maßnahme bedeutet, dass der Bezirk Gänserndorf mit seinen knapp 110.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und seiner enormen Größe mit fast 1300 km2 ab 2027 nur mehr über einen einzigen Notarztstützpunkt – in Gänserndorf – verfügt. Gleichzeitig wird auch der Standort in Hainburg gestrichen. Damit droht im Marchfeld eine riesige Versorgungslücke. „Stellen Sie sich vor, der Notarztwagen ist gerade in Hohenau und wird zu einem Einsatz nach Groß Enzersdorf gerufen. Die Fahrzeit beträgt rund eine Stunde. Es droht ein großer weißer Fleck auf der Landkarte“, zeigt sich Groß-Enzersdorfs Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec besorgt und betont, dass „wir Bürgermeister:innen in den Entscheidungsfindungsprozess nicht eingebunden wurden.“

Kritik von Gemeinden, Bürger:innen und Blaulichtorganisationen

Bgm. Dr. Clemens Nagel wundert sich: „Diese Entscheidung ignoriert die geografischen und demografischen Realitäten unseres Bezirks. Wir sind flächenmäßig groß und langgezogen, bevölkerungsreich und im Westen durch die Landesgrenze zu Wien, im Süden durch die Donau und im Osten durch die Staatsgrenze zusätzlich eingeschränkt – das kann man doch nicht mit kleineren Bezirken, wie z.B. Horn gleichsetzen, die dennoch einen Notarztstützpunkt behalten.“

Monika Obereigner-Sivec ergänzt: „Der Bezirk Gänserndorf hat jetzt schon kein Spital. Die Tagesklinik in Gänserndorf ist Geschichte und wird in ein Primärversorgungszentrum umgewandelt. Jetzt kommt zu den schon bestehenden herausordernden Rahmenbedingungen eine weitere Verschlechterung dazu – das ist unverständlich. Ganz nebenbei darf man auch nicht außer Acht lassen, dass das Marchfeld zudem eine Region mit regem Tagestourismus ist, die es gilt, in einem Notfall ebenso zu versorgen.“

Zweifel an Wirksamkeit der Kompensationsstrategie

Als Ersatz für die Schließung will das Land auf den Ausbau der Flugrettung auch bei Nacht und Nebel, die Ausbildung von Notfallsanitätern und den sogenannten Tele-Notarzt setzen, bei dem Sanitäter per Video mit einem Arzt verbunden werden. „Für bestimmte Situationen mag das sinnvoll sein, in akuten Notfällen, wie etwa bei einem Verkehrsunfall mit mehreren Schwerverletzten hilft keine Videokonferenz“, erzählt man sich in Blaulichtkreisen. Dort fühlen sich die großteils ehrenamtlichen Sanitäter:innen mit den anstehenden Aufgaben überfordert, zumal die Ausbildung zum Notarzt gut 10 Jahre dauert, die für den Notfallsanitäter 2 Jahre. 

In Europa liegt die Hilfsfrist zwischen 10 und 20 Minuten. Das Österreichische Rote Kreuz hat selbst folgende Definition der Hilfsfrist: Jeder an einer öffentlichen Straße liegende Notfallort soll in der Regel innerhalb der Hilfsfrist von 15 Minuten erreicht werden (Einlangen der Meldung bis Eintreffen am Notfallort).  Wie soll diese lückenlose Notarztversorgung mit nur einem Notarzt in unseren Gemeinden erreicht werden?

Forderungen der Gemeinden

Die betroffenen Gemeinden fordern daher, bei allem Verständnis für notwendige Einsparungsmaßnahmen, vernünftige Maßnahmen zur Sicherung der Notfallversorgung der Bürger:innen im Marchfeld:

  • Erhalt des Notarztstandortes Groß Enzersdorf
  • Einbindung der Gemeinden in die Entscheidungsfindung nach geo- und demografischen Merkmalen zu berücksichtigen.
  • Für den Fall, dass der Notarztstandort nicht erhalten werden kann:
  • Sicherstellung der notwendigen Anzahl an Notfallsanitäter:innen durch ausreichend Ausbildungsprogramme und Anreize. 
  • Verbesserung der Notfallversorgung durch ein zusätzliches RTW-C Fahrzeug im Marchfeld.
  • Verbesserung länderübergreifender Kooperationen mit Wien, um die Versorgungslücke zu schließen.
  • Garantierte Nacht- und Nebelflugtauglichkeit für die Flugrettung inkl. ausreichend Pilot:innen, wenn diese als Ersatzsystem vorgesehen wird. 
  • Erhalt des bestehenden Notarztstandortes über 2027 hinaus, bis sichergestellt werden kann und erprobt ist, dass das neue Notfallversorgungssystem funktioniert.

„Wir kämpfen bis zum Schluss um den Erhalt unseres Notarztstandortes!“, betont Bürgermeisterin Obereigner-Sivec. „Die Gesundheit der Bevölkerung darf nicht durch Sparen mit dem bloßen Rechenstift gefährdet werden“, fordert Bgm. Dr. Clemens Nagel.

Eine Petition gegen die Schließung wurde bereits gestartet: 

https://mein.aufstehn.at/petitions/notarztstutzpunkt-in-gross-enzersdorf-muss-erhalten-bleiben

Das Interview auf tv21.at mit den Bürgermeistern ist hier abrufbar: TV21.at 

https://www.tv21.at/l/katerstimmung-im-bezirk-ganserndorf-ein-notarztwagen-weniger/


26.08.2025